5 Mythen über mRNA jenseits von COVID-19: Was Sie wirklich wissen müssen
Entdecken Sie die vielfältigen Anwendungen der mRNA-Technologie außerhalb der Impfstoffe und entlarven Sie gängige Missverständnisse über ihre Funktionsweise und Zukunft.

Die mRNA-Technologie, bekannt geworden durch die schnellen Entwicklungen von COVID-19-Impfstoffen, ist weit mehr als nur ein Werkzeug zur Bekämpfung von Viren: Es ist eine revolutionäre Plattform, die das Potenzial hat, die Medizin grundlegend zu verändern. Entgegen verbreiteter Missverständnisse beschränkt sich ihr Anwendungsbereich nicht auf Infektionskrankheiten, sondern umfasst ein breites Spektrum von Therapien, darunter die individualisierte Krebsbehandlung, die Prävention und Behandlung von Autoimmunerkrankungen sowie die Entwicklung von Medikamenten für seltene Erbkrankheiten. Diese Fortschritte basieren auf der Fähigkeit der mRNA, dem Körper präzise Anweisungen für die Produktion spezifischer Proteine zu geben, und öffnen Türen zu bisher undenkbaren therapeutischen Möglichkeiten.
Seit den ersten Notfallzulassungen der SARS-CoV-2-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna haben viele die mRNA-Technologie (Boten-Ribonukleinsäure) zum ersten Mal kennengelernt. Doch die Arbeiten an dieser faszinierenden Methode begannen bereits in den 1980er Jahren. In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung in Universitäten und Pharmaunternehmen, darunter die Ludwig-Maximilians-Universität München und CureVac in Tübingen, das Fundament für die heutigen Anwendungen gelegt. Experten schätzen, dass der globale Markt für mRNA-Therapeutika bis 2030 ein Volumen von über 50 Milliarden Euro erreichen könnte, angetrieben durch Innovationszentren im DACH-Raum wie dem mRNA-Accelerator in Österreich und führende Forschungseinrichtungen in der Schweiz.
Mythos 1: mRNA-Therapien verändern unsere DNA
Ein hartnäckiger Mythos besagt, dass mRNA in das menschliche Genom eingreift und es dauerhaft verändert. Dies ist falsch. mRNA agiert ausschließlich im Zytoplasma der Zelle, dem Bereich außerhalb des Zellkerns, wo sich die DNA befindet. Das Prinzip der mRNA ist einfach: sie liefert eine Blaupause für den Bau eines spezifischen Proteins, beispielsweise eines viralen Antigens oder eines therapeutischen Enzyms. Nach der Produktion dieses Proteins wird die mRNA von der Zelle innerhalb weniger Stunden oder Tage abgebaut, ohne Spuren im Genom zu hinterlassen. Die DNA (Desoxyribonukleinsäure) ist der Träger unserer genetischen Information, und bei Säugetieren, einschließlich des Menschen, wird die DNA nicht in mRNA umgewandelt.
“„mRNA-Technologie befähigt den Körper, seine eigene Medizin zu produzieren, ohne die genetische Grundstruktur zu kompromittieren. Sie ist ein temporärer Bote, kein permanenter Architekt.””
Mythos 2: mRNA-Technologie ist eine hastige Entwicklung wegen der Pandemie
Obwohl die COVID-19-Pandemie die Entwicklung und Zulassung von mRNA-Impfstoffen beschleunigt hat, ist die Technologie selbst das Ergebnis von fast vier Jahrzehnten intensiver Forschung. Bereits in den 1990er Jahren wurden erste Studien zur Nutzung von mRNA in der Krebstherapie durchgeführt. Wissenschaftler wie Katalin Karikó und Drew Weissman, die für ihre bahnbrechenden Arbeiten an der Universität von Pennsylvania den Nobelpreis erhielten, forschten seit den frühen 2000er Jahren an der Modifikation von mRNA, um ihre Stabilität zu verbessern und unerwünschte Immunreaktionen zu minimieren. Diese Grundlagenforschung war entscheidend für den späteren Erfolg. Firmen wie Moderna und Biontech wurden lange vor 2020 gegründet, um diese Technologie für verschiedene medizinische Zwecke zu entwickeln.
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1980er | Erste In-vitro-Transkription von mRNA | Grundlage für zellfreie Proteinproduktion |
| 1990 | In-vivo-Anwendung von mRNA | Nachweis der Proteinexpression in lebenden Zellen |
| 2005 | Karikó & Weissman: Nukleosidmodifikationen | Reduzierung der Immunogenität, Erhöhung der Translationseffizienz |
| 2010er | Gründung von mRNA-Biotech-Firmen | Kommerzielle Entwicklung von mRNA-Therapeutika beginnt |
| 2020 | Zulassung erster COVID-19 mRNA-Impfstoffe | Weltweite Anerkennung und Anwendung der Technologie |
Mythos 3: mRNA ist nur für Impfstoffe geeignet
Obwohl Impfstoffe die bekannteste Anwendung sind, erstreckt sich das Potenzial der mRNA-Technologie weit darüber hinaus. Ein vielversprechendes Feld ist die Onkologie, wo mRNA-basierte Therapien darauf abzielen, das Immunsystem eines Patienten zu trainieren, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Dazu gehören personalisierte Krebsimpfstoffe, die auf den einzigartigen Mutationen eines Tumors basieren. Klinische Studien laufen derzeit für Melanome, Bauchspeicheldrüsenkrebs und andere solide Tumore. Darüber hinaus wird mRNA zur Behandlung seltener Erbkrankheiten wie Mukoviszidose (Cystische Fibrose) erforscht, indem synthetische mRNA fehlende oder defekte Proteine ersetzen soll. Unternehmen wie Arbutus Biopharma sowie CureVac, die in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen forschen, sind hier führend.
Mythos 4: mRNA verursacht Autoimmunerkrankungen

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, die darauf hindeuten, dass mRNA-basierte Therapien oder Impfstoffe Autoimmunerkrankungen auslösen. Die mRNA-Moleküle sind so konzipiert, dass sie schnell abgebaut werden und nur eine vorübergehende Proteinexpression bewirken. Die Hypothese, dass mRNA-Impfstoffe Autoimmunreaktionen hervorrufen könnten, wurde intensiv untersucht, insbesondere nach der Einführung der COVID-19-Impfstoffe. Zahlreiche Studien, darunter umfassende Überprüfungen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland, haben dies widerlegt. Tatsächlich könnten mRNA-Ansätze sogar zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, indem sie das Immunsystem umlenken oder fehlende Proteine zur Toleranzinduktion liefern.
mRNA-Therapien in klinischen Studien (Stand 2024)
Mythos 5: mRNA-Therapien sind noch weit von der Marktreife entfernt
Obwohl die mRNA-Impfstoffe relativ schnell zugelassen wurden, ist dies kein Indikator für eine mangelnde Reife der Gesamttechnologie. Im Gegenteil: Die COVID-19-Impfstoffe haben gezeigt, dass mRNA-Produkte sicher und wirksam sein können und die Entwicklungsprozesse effizient gestaltet sind. Es gibt bereits eine robuste Pipeline von mRNA-Therapien in verschiedenen klinischen Phasen für eine Reihe von Erkrankungen, von Grippeimpfstoffen bis zu Therapien gegen das Respiratory Syncytial Virus (RSV), die in Deutschland laut Robert Koch-Institut jährlich Tausende von Hospitalisierungen verursachen. Einige dieser Kandidaten, wie der RSV-Impfstoff von Moderna, könnten bald die Phase der Zulassung erreichen. Die Forschungsgruppe von Professor Uğur Şahin bei BioNTech arbeitet beispielsweise an individualisierten mRNA-Impfstoffen gegen verschiedene Krebserkrankungen, die sich in fortgeschrittenen klinischen Studien befinden. Dies deutet auf eine vielversprechende Zukunft der mRNA-Medizin hin.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen mRNA und DNA?
DNA ist das langfristige Speichermedium für genetische Informationen im Zellkern, während mRNA eine temporäre Kopie eines DNA-Abschnitts ist. mRNA transportiert die Bauanleitung für Proteine aus dem Zellkern zu den Ribosomen im Zytoplasma, wo die Proteine hergestellt werden, und wird dann abgebaut.
Kann mRNA als Gentherapie eingesetzt werden?
Obwohl mRNA keine permanente genetische Veränderung bewirkt, kann sie als eine Form der temporären Gentherapie betrachtet werden. Sie liefert den Zellen Anweisungen zur Produktion therapeutischer Proteine, ohne die DNA zu bearbeiten. Dies wird beispielsweise bei der Entwicklung von Therapien für Stoffwechselkrankheiten erforscht.
Welche anderen Infektionskrankheiten können mit mRNA-Impfstoffen bekämpft werden?
Neben COVID-19 werden mRNA-Impfstoffe für eine Reihe anderer Infektionskrankheiten entwickelt, darunter Influenza, HIV, Dengue-Fieber, Malaria und Tuberkulose. Die Flexibilität der Technologie ermöglicht eine schnelle Anpassung an neue oder mutierende Erreger.
Wie sicher sind mRNA-Therapien außerhalb von Impfstoffen?
Alle mRNA-Therapien durchlaufen, wie andere Medikamente auch, strenge präklinische und klinische Studienphasen. Unabhängige Arzneimittelbehörden wie die EMA in Europa prüfen alle Daten sehr genau, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten, bevor eine Zulassung erteilt wird. Die Sicherheitsprofile sind generell vergleichbar mit anderen modernen Biologika.
Wer sind die führenden Akteure in der mRNA-Forschung in der DACH-Region?
Wichtige Akteure in der DACH-Region sind BioNTech (Mainz), CureVac (Tübingen) und Moderna in der Schweiz. Auch Universitäten wie die Universität Zürich, das Max-Planck-Institut und die Technische Universität München leisten führende Forschungsarbeit in diesem Bereich.
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