Grenzen

Festkörperbatterien: Eine Zeittafel der technologischen Durchbrüche

Festkörperbatterien versprechen eine Revolution für Elektrofahrzeuge und portable Elektronik durch höhere Energiedichte und verbesserte Sicherheit. Diese Zeittafel beleuchtet entscheidende Meilensteine und die führenden Akteure.

Von Dr. Elara Vogel5 Min. LesezeitZürich, CHE
Visualisierung einer Zeittafel zur Entwicklung von Festkörperbatterien, mit Symbolen für technologische Fortschritte und wichtige Unternehmen wie Toyota, QuantumScape und Samsung SDI.
EchoChase / AI-generated

Festkörperbatterien sind eine aufstrebende Technologie, die das Potenzial hat, die Energiespeicherung grundlegend zu verändern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien, die flüssige Elektrolyte verwenden, nutzen Festkörperbatterien feste Elektrolyte. Dies ermöglicht eine höhere Energiedichte, schnellere Ladezeiten und eine deutlich verbesserte Sicherheit, da die Brandgefahr minimiert wird. Diese Zeittafel skizziert die wichtigsten Entwicklungen und die Beiträge führender Unternehmen wie Toyota, QuantumScape und Samsung SDI auf dem Weg zur kommerziellen Reife dieser wegweisenden Technologie.

Anfänge und Grundlagenforschung (1950er – 1980er Jahre)

Die ersten Konzepte für Festkörperbatterien entstanden bereits in den 1950er Jahren, lange bevor Lithium-Ionen-Batterien kommerziell verfügbar waren. Wissenschaftler wie C.A. Hampel patentierten 1957 eine „feste“ Batterie. Die frühen Bemühungen konzentrierten sich auf die Identifizierung geeigneter fester Elektrolyte, die eine ausreichende Ionenleitfähigkeit aufweisen würden. Materialien wie Silberiodid und Rubidiumsilberiodid zeigten vielversprechende Eigenschaften, waren aber für die breite Anwendung unpraktisch oder zu teuer. In dieser Ära wurden die grundlegenden elektrochemischen Prinzipien erforscht, die heute noch relevant sind. Ein entscheidender Fokus lag auf dem Verständnis der Grenzflächen zwischen den festen Materialien, einer Herausforderung, die bis heute besteht.

Beschleunigte Forschung und Entwicklung (1990er – 2010er Jahre)

Mit dem Aufkommen und der Etablierung von Lithium-Ionen-Batterien in den 1990er Jahren, angetrieben durch SONY und andere, erhielt die Festkörperbatterie-Forschung einen neuen Impuls. Das Ziel war nun, die Leistung von Li-Ionen-Batterien zu übertreffen und deren Sicherheitsdefizite zu beheben. Japanische Automobilhersteller, allen voran Toyota, begannen in dieser Periode, signifikante Ressourcen in die Entwicklung zu investieren. Toyota erkannte früh das Potenzial für Elektrofahrzeuge und meldete bereits in den späten 2000er Jahren zahlreiche Patente an. Universitäten und Forschungsinstitute in Deutschland, wie das Forschungszentrum Jülich, trugen ebenfalls mit grundlegenden Studien zu Festelektrolyten bei, insbesondere zu Sulfid- und Oxidmaterialien.

„Festkörperbatterien sind nicht nur eine Evolution, sondern eine Revolution in der Energiespeicherung, die die Grenzen der Elektromobilität neu definieren wird. Der Weg ist steinig, aber die Belohnung ist enorm.“

Dr. Andreas Jossen, Technische Universität München

Technologische Durchbrüche und Prototypen (2010er – 2020)

Dieses Jahrzehnt war geprägt von substanziellen Fortschritten. QuantumScape, ein US-amerikanisches Startup, das von Volkswagen massiv unterstützt wird (mit Investitionen von über 300 Millionen US-Dollar), entwickelte eine Keramik-Festelektrolyt-Technologie, die den Einsatz von Lithium-Metall-Anoden ermöglicht. Dies führte zu einer deutlich höheren Energiedichte. Samsung SDI präsentierte 2020 einen Prototyp einer Festkörperbatterie mit einer Polymerschicht, die eine Reichweite von bis zu 800 km für Elektrofahrzeuge verspricht. Auch Toyota meldete weiterhin beeindruckende Fortschritte bei der Verbesserung der Lebensdauer und Ladezyklen seiner Sulfid-basierten Festkörperbatterien. Die Forschenden konnten die Ionenleitfähigkeit der festen Elektrolyte signifikant steigern, was sie näher an die Werte von flüssigen Elektrolyten heranführte.

Wichtige Akteure und aktuelle Entwicklungen (2021 – Heute)

Visualisierung einer Zeittafel zur Entwicklung von Festkörperbatterien, mit Symbolen für technologische Fortschritte und wichtige Unternehmen wie Toyota, QuantumScape und Samsung SDI.
Festkörperbatterien versprechen eine Revolution für Elektrofahrzeuge und portable Elektronik durch höhere Energiedichte und verbesserte Sicherheit. Diese Zeittafel beleuchtet entscheidende Meilensteine und die führenden Akteure.EchoChase / AI-generated

Die Konkurrenz um die erste marktfähige Festkörperbatterie ist intensiv. Toyota plant, bis Mitte der 2020er Jahre erste Hybridfahrzeuge mit Festkörperbatterien auf den Markt zu bringen und strebt bis 2027/2028 die Massenproduktion an. Sie fokussieren sich auf Sulfid-basierte Elektrolyte, die eine hohe Ionenleitfähigkeit bieten. QuantumScape hat 2023 mit der Auslieferung erster Testmuster seiner 'Alpha'-Zellen an Automobilhersteller begonnen und plant die Kommerzialisierung für 2025-2026. Samsung SDI arbeitet ebenfalls an der Weiterentwicklung ihrer Festkörperbatterien und präsentierte auf der IAA Mobility 2023 eine Roadmap, die eine Serienproduktion ab 2027 vorsieht. Das österreichische Unternehmen AVL List GmbH in Graz forscht ebenfalls intensiv an Festkörperbatterietechnologien und treibt die Industrialisierung voran. Die größten Hürden sind derzeit die Skalierung der Produktion, die Senkung der Kosten und die weitere Optimierung der Lebensdauer unter realen Bedingungen. Trotzdem prognostizieren Experten, dass der Markt für Festkörperbatterien bis 2035 ein Volumen von über 50 Milliarden Euro erreichen könnte.

JahrEreignis/DurchbruchFirma/InstitutionBedeutung
1957Erstes Patent für 'feste' BatterieC.A. HampelGrundsteinlegung für Festkörperbatterien
1990erIntensive Forschung an Lithium-FestelektrolytenUniversitäten, ToyotaFokus auf Sicherheits- und Energiedichtevorteile
2012Gründung QuantumScapeJagdeep Singh et al.Einstieg eines wichtigen Startups mit VW-Unterstützung
2020Samsung SDI präsentiert 800km-Reichweiten-PrototypSamsung SDIDemonstration des Potenzials für Elektrofahrzeuge
2023QuantumScape liefert erste 'Alpha'-ZellenQuantumScapeErste Auslieferung von Testmustern an OEMs
2027 (geplant)Serienproduktion von FestkörperbatterienToyota, Samsung SDIKommerzielle Markteinführung in großem Maßstab
Meilensteine in der Entwicklung von Festkörperbatterien

Prognostizierter Marktanteil von Festkörperbatterien in Elektrofahrzeugen (DACH-Region)

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der beeindruckenden Fortschritte stehen Festkörperbatterien noch vor mehreren Herausforderungen. Die Produktion im industriellen Maßstab ist komplex und teuer, insbesondere bei der Herstellung hochreiner, dünner Festelektrolytschichten. Die Kontaktfläche zwischen den festen Elektroden und dem Elektrolyten muss über die gesamte Lebensdauer der Batterie stabil bleiben, um Leistungsverluste zu vermeiden. Zudem müssen die Kosten für die Rohmaterialien und die Fertigung weiter gesenkt werden, um eine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber etablierten Lithium-Ionen-Batterien zu gewährleisten. Experten sind jedoch optimistisch, dass diese Hürden in den kommenden Jahren überwunden werden können. Die europäische Forschungsinitiative BATTERY 2030+ bündelt beispielsweise die Kräfte von Wissenschaft und Industrie, um die Entwicklung zu beschleunigen.

Die Einführung von Festkörperbatterien wird voraussichtlich schrittweise erfolgen, beginnend mit Premium-Elektrofahrzeugen und spezialisierten Anwendungen, bevor sie den Massenmarkt erreicht. Mit einer potenziellen Energiedichte von bis zu 1000 Wh/l und Ladezeiten von unter 10 Minuten für 80% Kapazität könnten sie die Elektromobilität grundlegend transformieren und auch für die Energiespeicherung im Netz und in der Luftfahrt neue Möglichkeiten eröffnen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Hauptvorteile von Festkörperbatterien?

Die Hauptvorteile von Festkörperbatterien sind eine höhere Energiedichte, was längere Reichweiten oder kleinere Batterien ermöglicht, eine verbesserte Sicherheit durch die Eliminierung brennbarer flüssiger Elektrolyte und potenziell schnellere Ladezeiten. Zudem versprechen sie eine längere Lebensdauer und bessere Leistung bei extremen Temperaturen.

Wann werden Festkörperbatterien für Elektroautos verfügbar sein?

Führende Unternehmen wie Toyota, QuantumScape und Samsung SDI planen die Markteinführung von Elektrofahrzeugen mit Festkörperbatterien in den Jahren 2025 bis 2028. Anfänglich werden diese wahrscheinlich in Premium-Segmenten oder Hybridfahrzeugen eingesetzt, bevor eine breitere Verfügbarkeit für den Massenmarkt erreicht wird.

Welche Herausforderungen müssen noch überwunden werden?

Zu den größten Herausforderungen gehören die Skalierung der Produktion, um Kosten zu senken und die Massenfertigung zu ermöglichen, die Optimierung der Materialkosten, die Verbesserung der Langlebigkeit bei vielen Ladezyklen und die Lösung von Problemen an den Grenzflächen zwischen den festen Materialien, um eine effiziente Ionenleitung zu gewährleisten.

Sind Festkörperbatterien sicherer als Lithium-Ionen-Batterien?

Ja, Festkörperbatterien gelten als deutlich sicherer als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Da sie keine brennbaren flüssigen Elektrolyte enthalten, entfällt das Risiko von Überhitzung, Bränden oder Explosionen, die bei Beschädigung oder Überladung von Lithium-Ionen-Batterien auftreten können.

Welche Unternehmen sind führend in der Entwicklung von Festkörperbatterien?

Aktuell führend in der Entwicklung von Festkörperbatterien sind große Automobilkonzerne und Batteriehersteller wie Toyota, Samsung SDI, und das Startup QuantumScape, das durch Volkswagen unterstützt wird. Auch viele andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit tragen zur Forschung und Entwicklung bei.

Wie kam das an?

Weiterführende Lektüre

Ausgewählte Recherchen